The Missing Link. PSZ-Preis für Psychoanalyse und …
Das Psychoanalytische Seminar Zürich (PSZ) hat zum Jubiläum seines 30-jährigen Bestehens einen Preis für Psychoanalyse gestiftet. Dieser Preis wird für hervorragende Arbeiten im interdisziplinären Austausch der Psychoanalyse mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen verliehen.
Die Psychoanalyse ist eine eigenständige wissenschaftliche Disziplin mit langer Tradition und eigenem Status. Auf Grund der Besonderheit ihres Gegenstandes und ihrer Methode kann sie von innovativer Bedeutung für andere Wissenschaften und für viele Bereiche des Lebens sein. Der Preis dient der Förderung des interdisziplinären Austauschs, von dem sowohl andere Wissenschaften und Bereiche als auch die Psychoanalyse selbst profitieren werden.
Allgemeines
Im Psychoanalytischen Seminar Zürich, das Ausbildung in allen klinischen Aspekten der Psychoanalyse anbietet, besteht ein ganz wesentliches Interesse an den Spannungsfeldern zwischen der Psychoanalyse und anderen Gebieten. In seinem Umfeld wurde durch Fritz Morgenthaler, Paul Parin und Goldy Parin-Mattéy die Ethnopsychoanalyse begründet und weiterentwickelt. Darüber hinaus gehört die Beschäftigung mit Kultur- und Gesellschaftstheorie, mit Kunst und Wissenschaft und mit aktuellen Fragen zu den zentralen Topoi seines psychoanalytischen Verständnisses.
In dieser Tradition steht die Stiftung dieses Preises für interdisziplinären Austausch zwischen Psychoanalyse und anderen Wissenschaften und Bereichen.
Preisverleihung 2007
Der Preis wird 2007 erstmalig und dann alle 2 Jahre verliehen. Nach der Ausschreibung des Preises Ende 2006 ist eine eindrückliche Anzahl von 52 hochqualifizierten Bewerbungen eingegangen. Sie decken ein breites Spektrum verschiedenster Disziplinen ab. Von der Quantenphysik über die Mathematik bis hin zur Philosophie. Aus der bildenden Kunst natürlich, aber auch vom Theater und vom Film. Bücher, Manuskripte, Bilder, Videos und DVDs.
Am letzten Wochenende hat die Jury, der Insa Härtel, Kulturwissenschaftlerin aus Bremen, Bernd Schwibs, Chefredakteur der PSYCHE, und Sönke Gau, Kurator an der Shedhalle, Zürich, und vom PSZ Vera Saller und Olaf Knellessen angehören, den Preisträger gewählt.
Es ist Robert Pfaller, mit seinem in der edition suhrkamp erschienenen Buch Die Illusionen der anderen. Über das Lustprinzip in der Kultur. Robert Pfaller hat sich Formen von Einbildungen vorgenommen, zu denen sich niemand bekennt und die doch im Alltag oft unbemerkt wirksam sind: Warum zum Beispiel meint man, Zeitungshoroskope lesen oder Fernsehsport live verfolgen zu müssen, wenn man doch die Bedeutung dieser Tätigkeiten mit einem verächtlichen „Ich weiss zwar, aber dennoch …“ mindert? Pfaller richtet sein Augenmerk auf diese Ambivalenz und zeigt, dass es sich bei den abgewerteten Vorstellungen um „Einbildungen der anderen“ handelt. Solche sind in der Kunst, in der Alltagskultur sowie in sämtlichen Spielen und in Glückstechniken am Werk. Angesichts einer in heutigen westlichen Kulturen zunehmenden Lustunfähigkeit stellt die Erkenntnis und Würdigung der nicht selten beglückenden Illusionen der anderen eine inspirierende Denkmöglichkeit dar.
Der Preis wurde am 1. Dezember 2007 in der Shedhalle in der Roten Fabrik in Zürich verliehen. Nach der Begrüssung wurde die Laudatio von Daniel Strassberg gehalten. Nach der Überreichung des Preises hielt Robert Pfaller eine kleine Rede. Schliesslich kam es zur Uraufführung einer Soundskulptur des Zürcher Künstlers Nik Emch mit dem Titel 9 Psychoanalytiker. Mit einem Apéro wurde die Veranstaltung abgeschlossen.