The Missing Link 2011


Dietmut Niedecken und Hauke Berheide als Preisträger

Die Hamburger Psychoanalytikerin Dietmut Niedecken und der Berliner Komponist Hauke Berheide erhalten gemeinsam den diesjährigen Preis The Missing Link des Psychoanalytischen Seminars Zürich für ihr Werk Epilog I - Winterstück. Der Preis für den interdisziplinären Austausch mit der Psychoanalyse wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit 5000 Schweizer Franken dotiert.
Mit Epilog I – Winterstück wird eine ganz aussergewöhnliche Arbeit ausgezeichnet. Sie ist nicht nur reflektiertes Dokument, sondern konkretes Produkt eines transdisziplinären Austauschs zwischen der Psychoanalytikerin und dem Komponisten.
Das «Winterstück» ist eine etwa 13-minütige Studie über das Volkslied «Es geht ein dunkle Wolk’ herein». Die Zusammenarbeit mit dem Komponisten konfrontierte die Analytikerin mit der Beziehung zur eigenen Mutter und zu einem Stück deutscher Vergangenheit. Der für die Psychoanalyse zentrale Begriff der Übertragung hat dabei sein Potential als stimulierende Ansteckung bewiesen, die sich in einer Weise entwickelte, wie sie – so heisst es für diese Zusammenarbeit sehr schön – nicht zu erwarten war.
Im Winterstück werden Fragmente eines alten Volksliedes zur Quelle einer modernen Komposition. „Im Zitieren“ – so der Komponist – „suche er dem Lied quasi Ungehörtes abzulauschen.“ Das Zitat ist umgekehrt Kernstück einer früheren Arbeit der Analytikerin, die sie nun wieder aufnimmt. So überkreuzen sich die unerhörten Teile der Geschichten und werden zum Hören gebracht: zum einen in der Komposition und zum andern im Verständnis einer Erinnerung aus Deutschlands Vergangenheit, die mit eben diesem Volkslied verwoben war.


Sebastian Wedler als Gewinner des Förderpreises

Als Ergänzung zu The Missing Link wurde dieses Jahr zudem der Förderpreis Link 2 Future vergeben. Er ist mit 2000 Schweizer Franken dotiert und wird an einen Bewerber unter 30 Jahren verliehen. Link 2 Future geht an Sebastian Wedler für seine Arbeit Der „Anti-Ödipus“ als Impetus für eine dekonstruktivistische Musikästhetik. Versuch eines Beitrags zu einer Kritischen Theorie der Musik aus (post)strukturell psychoanalytischer Perspektive. Mit eben diesem kraftvollen, jugendlichen Impetus geht Wedler der Frage nach, inwiefern aus der (post)strukturalistischen Psychoanalyse Theoriepotentiale für eine „Kritische Theorie der Musik“ gewonnen werden können.
Es ist sicher kein Zufall, dass es bei beiden ausgezeichneten Arbeiten um eine Neuausrichtung der Musik geht, die, ohne sich ihnen auszuliefern, den Schrecken der Gewalt nicht ausweicht.


Der Preis und die Jury

Die ausgezeichneten Arbeiten wurden aus ca. 40 Bewerbungen ausgewählt, die u.a. aus den Bereichen Philosophie, Neurowissenschaften, Theologie, Bildende Kunst, Literatur, Musik, Film und Theater stammen. Die Jury setzte sich aus der Bremer Kulturwissenschaftlerin Insa Härtel, dem Chefredakteur der Fachzeitschrift PSYCHE, Bernd Schwibs, dem Kulturwissenschaftler und ehemaligen Kurator an der Zürcher Shedhalle, Sönke Gau, sowie der Psychoanalytikerin Barbara Langraf und dem Psychoanalytiker Olaf Knellessen vom PSZ zusammen. Sönke Gau wird nach dreimaliger Teilnahme zukünftig leider nicht mehr dabei sein. Wir danken ihm sehr für seine engagierte und kompetente Mitarbeit. Es war ein Genuss, mit ihm zusammen zu arbeiten.

Der Preis The Missing Link wurde 2007 anlässlich des 30-jährigen Bestehens des PSZ gestiftet. Erster Preisträger war der in Linz und Wien lehrende Kulturwissenschaftler Robert Pfaller. 2009 wurde die Auszeichnung an den Wiener Künstler Gregor Schmoll verliehen.


Preisverleihung und interdisziplinäre Tagung zum Container

Der Preis wird am 10. Dezember 2011 im Kunstraum Walcheturm in Zürich verliehen (Kanonengasse 20). In diesem Rahmen wird auch die Komposition Epilog I – Winterstück von Hauke Berheide zur Aufführung kommen.
Ausserdem veranstaltet das PSZ von Freitag Nachmittag, 9. Dezember 2011, bis zur Preisverleihung am Samstag Nachmittag eine interdisziplinäre Tagung zum Thema Container, die ein Ereignis zu werden verspricht. Unter dem Titel Das Motiv der Kästchenwahl: Container in Kunst, Kultur und Psychoanalyse werden verschiedene Referent_innen Beiträge aus Psychoanalyse, Kulturwissenschaften, Architektur und Technik leisten. Aus der Kunst werden Ursula Biemann aus Zürich, die Künstlergruppe etoy aus Zug und Minimetal aus Zürich mit von der Partie sein.

 

Flyer zur Preisverleihung