Zyklusvorträge
Die Freitagsveranstaltungen finden jeweils um 20.30 Uhr im PSZ, Quellenstrasse 25 statt.
Die Vorträge sind öffentlich. Es wird kein Kursgeld erhoben.
Abstracts zu den einzelnen Vorträgen sind 14 Tage vor der Veranstaltung auf der Homepage (www.psychoanalyse-zuerich.ch) einsehbar.
Wozu Psychoanalyse heute?
organisiert von Antoinette Poli
Ich fürchte mich vor der Ungezwungenheit und
Leichtigkeit, mit der Etiketten auf sehr komplizierte
menschliche Entwicklungen geklebt werden.
Theodor Reik (1)
Von einem Boom der Psychoanalyse kann gegenwärtig nicht gesprochen werden – und doch gibt es Personen, die eine Psychoanalyse machen wollen oder die sich für die Ausbildung zum/r PsychoanalytikerIn interessieren. Menschen, die sich einlassen wollen auf ein Verfahren, dessen Dreh- und Angelpunkt ein griechischer Mythos ist und das festhält an der Prämisse, nach der sich das menschliche Schicksal wesentlich entlang unbewusster phantasmatischer Ausformung kindlichen Sexualstrebens gestalte.
Diese Annahmen galten zu Freuds Zeiten als nicht weniger abenteuerlich denn heute, entstanden sie doch im Umfeld einer aufstrebenden naturwissenschaftlichen Medizin, die dank der im 19. Jahrhundert einsetzenden erfolgreichen Verschwisterung von Wissenschaft und Technik viele Fortschritte in der Erkennung und Behandlung von Krankheiten machte.
Freud begegnete einem auf solche Weise geschulten Denken in Bezug auf die Psychoanalyse jedoch skeptisch und versuchte zu vermitteln, dass die Psychoanalyse keine Behandlungsmethode neben anderen, sondern «ein Verfahren sui generis ist, etwas Neues und Eigenartiges, was nur mit Hilfe neuer Einsichten – oder wenn man will, Annahmen – begriffen werden kann» (GWV XIV, S. 216).
Freuds Einstehen für seine Sache blieb nicht ohne Erfolg. Psychoanalytisches Denken fand Eingang sowohl in die Kultur als auch in die Krankenbehandlung. Allerdings scheinen die Medizinalisierung der Psyche und die Reglementierung ihrer Behandlung inzwischen derart selbstverständlich, dass sich die Frage stellt, ob es heute neben dem Prokrustesbett der Medizin überhaupt noch einen Platz und eine Berechtigung für die psychoanalytische Couch gibt oder ob heutige Analytikerinnen und Analysanden an Überholtem festhalten.
Sieben PsychoanalytikerInnen haben sich dieser Frage angenommen und stellen uns ihre Diskussionsansätze zur Verfügung.
(1) Theodor Reik (1976 [1948]). Hören mit dem dritten Ohr. Hamburg: Hoffmann und Kampe. S. 507.
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