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Kalender

Krieg statt Trauer - Zum Verdrängen der Trauer aus dem Politischen

Kursdatum
22.05.2026 19:00 - 22:00
Ort
PSZ
Semester
Sommersemester 2026
Kurs
Krieg statt Trauer

Beschreibung

Nachveranstaltung von MUUB und PSZ zum Kongress "Zur Macht des Unbewussten in Politik und Subjekt" vom November 2025 in Zürich.

Datum: Pfingstfreitag, 22. Mai 2026
Zeit: 19:00-22:00 Uhr
Ort: PSZ, Quellenstrasse 25, 8005 Zürich

Unter dem Titel «Verbotene Trauer. Endlose Kriege und die Melancholie der Politik»hat Ida Dominijanni an unserem Kongress «Zur Macht des Unbewussten in Politik und Subjekt» einen Vortrag gehalten, der uns mitten ins Mark getroffen hat, indem
sie u. a. aufzeigte, wie Verluste durch weitere Kriege verdrängt werden, während die Trauer um Opfer und Vernichtung unterdrückt wird. Viele Zuhörer hat dieser Beitrag sehr erschüttert, und es wurde der Wunsch geäussert, darauf nochmals zurückzukommen.
Das dichte Semesterprogramm liess leider nur den Freitag vor Pfingsten zu – vielleicht aber gerade eine besondere Gelegenheit, um uns mit dem kriegerischen Wahn unserer Gegenwart sowie der Vermeidung und Abwesenheit
von Trauer auseinanderzusetzen?

Genau das wollen wir in dieser Abendveranstaltung tun: In einem ersten Teil werden wir uns nochmals mit dem Text von Ida Dominijanni beschäftigen, um dann in einem zweiten Teil der schwierigen Frage nachzugehen, wie ein Zugang zur Trauer ermöglicht werden kann.

Als Einstieg erinnern wir hier an ein paar Hauptgedanken aus Ida Dominijannis Vortrag und informieren diejenigen, die nicht am Kongress teilnehmen konnten.

Hier zunächst das Abstract zu ihrem Vortrag am Kongress:

«Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Krise der Politik und der Arbeit der Trauer in unserer Zeit, in der Pandemien und Kriege Opfer anhäufen, die institutionelle Politik jedoch nur in der Lage zu sein scheint, Verluste mit Gewalt zu übersättigen, während die Politik von unten darum ringt, Trauer in Bewusstsein und Rebellion zu verwandeln? Dieser Widerspruch stellt den gespenstischen Status der modernen Politik, die Praktiken der Zensur und Hierarchisierung der Trauer durch den Staat sowie die Veränderungen in der sozialen Ritualisierung der Trauer, die durch die COVID-Pandemie hervorgerufen wurden, infrage. Wie kann die generative Kraft des Verlusts gegen die neoliberale Rationalität, die konstitutiv auf der Verdrängung des Verlusts und seiner Ersetzung durch die Imperative von Produktion, Konsum und Vergnügen basiert, wiederbelebt werden?»

Ergänzend noch einige Zitate aus ihrem Vortrag:

«Wie war diese Rückkehr des Krieges ins Rampenlicht nach einer globalen Pandemie möglich – fast so, als wolle man das Trauma der vergangenen Verluste mit neuen Verlusten vertreiben? Und schließlich: Welchen traurigen und melancholischen Schatten verinnerlicht die Politik, wenn sie ihre eigene Krise nicht verarbeiten kann … und wenn sie die daraus resultierende Verletzung ihres Machtwillens nicht ertragen kann? Diese Melancholie der institutionellen Politik wirkt sich auch auf die Politik von unten aus – und wie? … Hier scheint sich ein Widerspruch zwischen der Trauer der Zeit und der Unfähigkeit, der Verdunkelung, der Zensur oder der programmatischen Verhinderung der Trauerbewältigung abzuzeichnen, der uns zwangsläufig zur freudschen Thematisierung zurückführt … der freudschen Unterscheidung zwischen Trauer und Trauerarbeit.»

Zum Inhalt des Abends:

Dominijanni hatte vom Paradox unserer Gegenwart gesprochen, einer Gegenwart, in der trotz Krisen, Pandemie, Kriegen und Klimakatastrophe, in der trotz all dieser Verluste es keine angemessene Trauerarbeit im freudschen Sinne gibt.

Dieses Dilemma wollen wir nochmals aufgreifen: In einem ersten Teil wollen wir nochmals einzelne Aspekte aus ihrem Vortrag vertiefen. Andjela Samardzic geht es dabei um die Sicht von Dominijanni auf das heutige, neoliberale Subjekt: Dieses «irrt durch eine Öffentlichkeit [...] der Ent-Symbolisierung [...], [in der] die Macht der Worte durch die [...] Bilder, [...] durch die Sintflut der Information» substituiert ist. Auf diese Weise entkomme das Subjekt, wie es unbewusst hofft, den Gefühlen und Gedanken von Verlust, Trauer und Sein.

Camilla Croce bezieht sich in ihrem Beitrag auf Dominijannis Sicht einer Strategie der gegenwärtigen Politik von oben, in der die kollektive Trauerarbeit untersagt wird, während eine politische Praxis von unten demgegenüber Widerstand zu leisten vermag. Die Untersagung der Trauer hat im deutschsprachigen Raum mit dem Buch der Mitscherlichs von 1967 («Die Unfähigkeit zu trauern») großes Echo ausgelöst und sich auf eine anhaltende Ignoranz gegenüber dem Unbewussten sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft bezogen. Heute hingegen zeugen die politischen Machtmittel des Verbots ebenso wie die Akte des Widerstands der Zivilgesellschaft vielmehr von einer gewissen «Vertrautheit» und – seitens der Politik von oben – einer gezielten Ausnutzung der unbewussten triebhaften Implikation, die Grausamkeit mit sich bringt: im besten Fall ein Zurückschrecken, ein regressives «nichts davon wissen wollen», im schlimmeren Fall ein Agieren und Genießen der sadistischen Trieblebensartikulation. Diese Grausamkeit, von Derrida bereits vor über 20 Jahren festgestellt, sei für Derrida Problem und Thema der Psychoanalyse, und dem will Croce mit Bezug auch auf Freud und ihre eigene Praxis nachgehen.

In einem zweiten Teil der Veranstaltung, circa ab 21:00 Uhr, wird es dann um die Frage gehen, was stützt, was einer Trauerarbeit verhilft: Roni Weissberg wird dabei der Frage nachgehen, inwiefern zum Beispiel Kunst dazu einen Beitrag leisten kann, so zum Beispiel: in welcher Weise Celans Todesfuge wirkt.

Anmeldung

Das Abstract, sowie weitere Informationen zur Referentin entnehmen Sie bitte dem Flyer.

Es wird um eine vorgängige Anmeldung per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. gebeten.

Der Eintritt von CHF 30.-, kann vor Ort in bar oder per Twint bezahlt werden. 

Standortinformationen

PSZ

Straße
Quellenstrasse 25
Stadt
8005 Zürich